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Kieler Nachrichten

Oper Kiel: Uwe Schwarz deutet Verdis „Aida“ aus heutiger Perspektive

Kiel - Die Triumphmärsche sind verklungen, die Videos der militärischen Schläge abgeschaltet, der Glamour der Siegesfeiern verblasst. Glückstraurig singt sich das todgeweihte Liebespaar in die himmlische Ewigkeit. Zurück bleibt die Königstochter, ohnmächtiges Kind der Mächtigen, und bittet um Frieden - zu spät, wie immer. Wie immer, wenn der Krieg den Menschen besiegt hat und die Liebe Feindschaften und kulturellen Gegensätzen geopfert wurde. Unerbittlich klar wird in diesem Finale die existenzielle, zu allen Zeiten gültige Botschaft von Verdis Aida - dank einer entschieden ins Heute gerückten Deutung durch Uwe Schwarz. Und da Georg Fritzsch und seine Philharmoniker den Spielzeitauftakt in der Kieler Oper mit musikalischem Glanz ausstatten, darf - trotz einzelner Buhrufe - gefeiert werden.

Aus der „Zeit der Pharaonen“ haben Verdi und seine Librettisten die Geschichte geholt - lang, lang ist's her. Und die Handlungsorte Memphis und Theben liegen weit, weit entfernt. So schön fern und fremd will uns das erscheinen, dass wir die Story und ihre Musik kulinarisch hinnehmen können, eben wie ein trauriges Märchen. Doch Uwe Schwarz widerspricht entschieden dieser Auffassung: Die Zerstörung menschlicher Beziehungen durch religiöse Gegensätze und wirtschaftliche Konkurrenzkämpfe ereignet sich heute so gut wie zu allen Zeiten, signalisiert seine Inszenierung, nur grausamer und blutiger denn je. Und die Schauplätze finden sich nicht mehr nur im fernen Ägypten, die Orte sind zusammengerückt: Bagdad ist von Washington aus erreichbar, kalifornischer Luxus ist auch am Nil etabliert, die Welt ist zum globalen Brennpunkt geballt.

Dieser Überzeugung folgend reduziert Bühnenbildner Norbert Ziermann Ägyptens Pyramiden auf veränderbare Dreiecksformen im Hintergrund: Wichtiger ist, dass sich seine Räume schnell und elegant verwandeln: von einer ins Modell geschrumpften Wüstenlandschaft in die Krypta eines Göttertempels, oder vom urbanen Penthouse in ein nächtliches Flussufer. Und Dorit Lievenbrücks Kostüme markieren eindeutig die kulturellen Unterschiede: strenge orientalische Trachten im Kontrast zu amerikanischem Lifestile. Beklemmend deutlich: Die Königstochter Amneris zwängt ihre Rivalin, die Sklavin Aida, ebenfalls Königskind, aber gefangen und afrikanischen Ursprungs, in ein groteskes Western-Outfit - augenfälliger, böser kann gesellschaftliche Erniedrigung kaum demonstriert werden.

Den König schmückt ein Cowboy-Hut wie einst einen aus Texas stammenden Präsidenten. Radamès, der Feldherr, trägt eine eindeutige Offiziersuniform, später den obligaten Kampfanzug. Die Feinde werden in Käfigen vorgeführt und der Gedanke an Guatanamo drängt sich auf. Der Sieger fährt im Jeep herein und wird von der High Society mit einer glamourösen Hollywood-Show gefeiert, Video-Projektionen von erfolgreichen Kampfhandlungen und Trompeter in Superman-Anzügen inklusive. Kein Zweifel: Die theatralische Sprache von Regisseur Uwe Schwarz formuliert deutlich und manchmal sogar plakativ die politisch gemeinten Konflikte, allerdings ohne den Text zu verbiegen. Vielmehr interpretiert er ihn einleuchtend und auf die heutige Zeit bezogen. Und auf wunderbare Weise folgt er damit Verdis Komposition.

Denn vor allem die krassen, unvereinbar gegeneinander stoßenden Kontraste charakterisieren die Partitur. Georg Fritzsch kostet mit den hochkonzentriert spielenden Philharmonikern ihren ganzen Farbenreichtum aus: die schmetternden Märsche und triumphalen Chöre (präzis einstudiert von David Maiwald), im Gegensatz dazu die fein austarierten Ensembles, die subtil begleiteten Duette und Arien. Fritzsch offenbart mit seinen Musikern dabei nicht nur Präzision und Temperament, sondern auch das feine Gefühl für die intime Seelendramatik der einzelnen einsamen Figuren.

Auf dieser sicheren Basis kann sich das hervorragende Sängerensemble grandios entfalten: der von der Macht ermüdete König von Hans Georg Ahrens, Michael Müllers geradliniger Bote, die glockenklar klingende Tempelsängerin von Cornelia Möhler und Kemal Yasars mit gelassener Bassfülle gestalteter Oberpriester Ramfis. Der italienische Bariton Elia Fabbian, kurzfristig eingesprungener Gast, bringt für den Amonasro einen kernigen, ins Ungestüme neigenden Bariton mit, Sung Kyu Park stattet den Radames mit stabilem Tenorglanz aus, kräftig in den tiefen und mittleren Lagen, klug geführt in den heiklen Höhen.

Eine äußerst anrührende Steigerung der Aida von angstvoller Unruhe über die immensen emotionalen Schwankungen bis hin zum inneren Frieden demonstriert Gweneth-Ann Jeffers mit einem vielfältig schimmernden, immer klarer aufleuchtenden Sopran. Eindrucksvoll setzt Marina Fideli eine an widerstrebenden Charakterzügen leidende Amneris dagegen, darstellerisch höchst differenziert, stimmlich markant und elegant zugleich.

Groß war der Beifall nach dieser imposanten Kieler Saisonpremiere, wenn auch nicht ganz einhellig. Und am Ausgang war wieder ein beharrliches Murren zu hören: „Man kann da nicht mehr hingehen.“ Man darf das gelassen hinnehmen, denn dem Musiktheater wird neues, neugieriges Publikum zuwachsen, wenn es, wie mit dieser Inszenierung von Uwe Schwarz, nachdrücklich beweist, dass hier auch die Gegenwart behandelt wird.

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